Maspalomas im Winter: Dünen, 24 Grad und keine Pride-Massen
Zwischen November und Februar ist Gran Canarias Süden mild, entspannt und erstaunlich wenig laut. Warum sich die Reise gerade dann lohnt

Wenn in Wien, Zürich oder Hamburg der Himmel ab November die Farbe von nassem Beton annimmt, liegt der Süden von Gran Canaria vier bis fünf Flugstunden entfernt in der Sonne. Tagsüber sind es dort im Winter meist um die 20 bis 24 Grad, abends wird es frischer, und Regen ist im Süden der Insel selten. Das ist kein Tropenurlaub, sondern eher ein sehr guter mitteleuropäischer Frühsommer, mitten im Dezember.
Leer ist es in dieser Zeit allerdings nicht. Die Kanaren sind für Nordeuropäer gerade im Winter gefragt, und das merkt man auch in Maspalomas. Es ist nur eine andere Art von voll. Statt Partywochen mit Tausenden Besuchern kommen viele, die vor allem Sonne, Ruhe und ein gutes Abendessen wollen und die Nacht eher dosiert angehen.
Die Dünen
Das Herz der Gegend sind die Dünen von Maspalomas, eine Sandlandschaft zwischen Playa del Inglés und dem Leuchtturm von Maspalomas, die aussieht, als hätte jemand ein Stück Sahara ans Meer verlegt. Sie stehen unter Naturschutz, und es lohnt sich, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben, auch weil das Gelände ohnehin anstrengender ist, als es von oben aussieht. Am schönsten sind sie früh am Morgen und in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang, wenn das Licht flach wird und der Sand alle Schattierungen zwischen Beige und Kupfer durchspielt.
Der Strand vor den Dünen ist lang und breit genug, dass sich selbst an vollen Tagen niemand auf die Füße tritt. Ein Abschnitt vor den Dünen gilt seit Jahrzehnten als schwuler Treffpunkt, Teile des Strandes sind FKK. Wer einmal dort war, findet ihn wieder, und wer zum ersten Mal kommt, folgt einfach dem Publikum. Das Wasser ist im Winter frisch, aber für viele noch gut zum Schwimmen.
Yumbo und die Nacht
Das Zentrum des schwulen Nachtlebens ist das Yumbo Centre in Playa del Inglés, ein offenes Einkaufszentrum auf mehreren Ebenen, das tagsüber mit Geschäften, Restaurants und Souvenirläden eher unauffällig wirkt. Abends verwandelt es sich. Dann öffnen Bars und Clubs, auf den Terrassen wird getrunken und geschaut, und richtig voll wird es erst spät. Wer um zehn Uhr kommt, sitzt oft noch fast allein beim Aperitif.
Das Yumbo ist kein Ort für Leute, die Exklusivität suchen. Es ist laut, bunt, ein bisschen in die Jahre gekommen und gerade deshalb sympathisch, weil hier Männer aus ganz Europa und jeder Altersgruppe am selben Tresen landen. Im Winter ist die Stimmung etwas ruhiger als in den großen Eventwochen, aber die Bars sind offen, und an Gesellschaft mangelt es selten. Wer es ganz ruhig mag, schaut vor der Buchung kurz in den Veranstaltungskalender, denn einzelne Party-Wochenenden gibt es auch in der kühleren Jahreszeit.
Mittendrin oder abseits wohnen
Playa del Inglés ist kein schöner Ort im klassischen Sinn. Die Gegend ist in den Jahrzehnten des Massentourismus gewachsen, mit Apartmentblöcken, Bungalowanlagen und viel Beton. Ihr großer Vorteil ist die Lage, denn vom Yumbo zum Strand und zu den Dünen ist alles zu Fuß erreichbar. Es gibt dort zudem eine ganze Reihe von Bungalowanlagen, die sich ausdrücklich an schwule Männer richten, oft mit Pool und einer Atmosphäre irgendwo zwischen Wohngemeinschaft und Urlaubsflirt.
Wer lieber Abstand hält, wohnt weiter westlich Richtung Meloneras, wo es gepflegter und deutlich ruhiger zugeht, und nimmt abends ein Taxi. Oder man mietet ein Auto und sucht sich eine Unterkunft im Hinterland. Das bringt die zweite Seite der Insel ins Spiel, die viele Maspalomas-Urlauber nie zu sehen bekommen: grüne Täler, Bergdörfer und Wanderwege rund um den Roque Nublo, einen markanten Felsen im Zentrum der Insel. Auch ein Tag in Las Palmas im Norden lohnt sich, eine echte Stadt mit Altstadt und einem langen Stadtstrand. Im Winter ist es dort oft bewölkter als im Süden, aber gerade das macht die Rückkehr in die Sonne am Abend umso angenehmer.


